Bachmann-Preis 2024: Mutige Geschichten über Krebs, Diskriminierung und literarischen Protest
Andree TrubinBachmann-Preis 2024: Mutige Geschichten über Krebs, Diskriminierung und literarischen Protest
Die Jury des Bachmann-Preises bestand in diesem Jahr aus sieben Jurorinnen. Sie zeichnete mehrere Autor:innen für ihre herausragenden Texte aus, wobei nur wenige Beiträge komplett durchfielen. Erfindungsreiche Ideen und prägnante Sätze fanden in den Einsendungen durchgehend Anerkennung.
Magdalena Schrefel gewann den 3sat-Preis für ihren Text Kirschen, Herz in der Schlinge, eine Reflexion über ihre Brustkrebsdiagnose und die Schwierigkeit, darüber zu sprechen. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn, eine Geschichte über die Kämpfe eines schwulen Vaters.
Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis für ihre Darstellung der alltäglichen Demütigungen eines „Ostblock-Mädchens“ ausgezeichnet. Schaette sicherte sich sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für Was wir tragen, einen Text über die lebenslange Gewalt, der dicke Menschen ausgesetzt sind. Das wiederkehrende Motiv von „Flecken“ oder „blinden Flecken“ in vielen Werken verwies oft auf prekäre Lebensumstände.
Slata Roschals Geschichte hob sich ab, indem sie nicht die Nöte von Autor:innen, sondern die Literaturwelt selbst in den Fokus stellte. Nach ihrer Lesung weigerte sie sich, der Jury gegenüberzutreten, und kritisierte die etablierte Behandlung von Schriftsteller:innen. Burkhard Spinnen forderte „frontalen Widerstand gegen alles“ in der Kunst – einschließlich des Widerstands gegen gesellschaftliche und wirtschaftliche Zwänge. Bezug genommen wurde auch auf Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem der allmächtige Gott als Angeklagter auftritt.
Die Auszeichnungen spiegelten eine Vielfalt an Themen wider – von persönlichen Gesundheitskämpfen bis hin zu gesellschaftlicher Ausgrenzung. Die Jury würdigte mutiges Erzählhandwerk und scharfe Kritik an literarischen und sozialen Strukturen. Jeder prämierte Text bot eine eigene Perspektive auf menschliche Erfahrung.
