Erzbistum Paderborn enthüllt 489 Missbrauchsfälle – Bischof bittet um Vergebung für institutionelles Versagen
Elvira ZiegertBischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn enthüllt 489 Missbrauchsfälle – Bischof bittet um Vergebung für institutionelles Versagen
Das Erzbistum Paderborn hat ein weitaus größeres Ausmaß historischen sexuellen Missbrauchs aufgedeckt als bisher bekannt. Eine neue Studie identifizierte 489 Fälle zwischen 1941 und 2022, an denen 210 beschuldigte Täter beteiligt waren. Bischof Udo Markus Bentz hat die Opfer nun öffentlich um Vergebung gebeten und die Erkenntnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen bezeichnet.
Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen und hatte bundesweit die Bistümer zu Untersuchungen veranlasst. Im Erzbistum Paderborn hatte ein 2023 erstellter Bericht der Kanzlei Feigen und Graf Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt zunächst als nicht glaubwürdig eingestuft. Doch weitere unabhängige Recherchen deckten auf, dass Degenhardt in seiner Zeit als Generalvikar von den 1970er- bis zu den 1990er-Jahren mindestens 20 Fälle vertuscht hatte.
Bis Anfang 2026 führten diese Erkenntnisse dazu, dass Degenhardts Name aus der Ehrentafel des Buchs der Verstorbenen des Erzbistums gestrichen wurde. Die Diözese führte zudem strengere Präventionsschulungen für Kleriker ein und richtete 2024 ein unabhängiges Ombudsbüro ein. Die Opferberatung wurde ausgebaut, und seitdem wurden 93 Millionen Euro Entschädigung an Überlebende gezahlt.
Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbandes, begrüßte die Entschuldigung von Bischof Bentz als Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Betroffenen. Harnisch unterstützte zudem Forderungen, die Kardinal-Jaeger-Straße und den Kardinal-Degenhardt-Platz umzubenennen – mit Verweis auf Vorwürfe der Vertuschung sowohl gegen Degenhardt als auch gegen dessen Vorgänger, Kardinal Lorenz Jaeger. Das Erzbistum hat zugesagt, die Ermittlungen zu diesen Fällen zu vertiefen.
Das Erzbistum Paderborn setzt seine unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle fort, mit besonderem Fokus auf Degenhardts Handeln. Die Entschädigungszahlungen belaufen sich mittlerweile auf 93 Millionen Euro, und die Präventionsmaßnahmen wurden verschärft. Mit dem Fortschreiten der Untersuchungen werden weitere Erkenntnisse erwartet.