Karenztage: Warum die Rückkehr zu Lohnkürzungen bei Krankheit so umstritten ist
Elvira ZiegertKarenztage: Warum die Rückkehr zu Lohnkürzungen bei Krankheit so umstritten ist
In Deutschland ist eine Debatte über die Wiedereinführung von Karenztagen – also der vorübergehenden Streichung des Krankengeldes – entbrannt. Die von einigen Ökonomen unterstützte Idee stößt bei Arbeitnehmern, Gesundheitsexperten und Politikern gleichermaßen auf scharfe Kritik. Im Mittelpunkt der Diskussion steht nun die Frage, ob finanzielle Sanktionen oder ein kultureller Wandel besser geeignet sind, um Fehlzeiten in Betrieben zu reduzieren.
Das ZEW-Forschungsinstitut und der Kronberger Kreis hatten kürzlich die Wiedereinführung von Karenztagen vorgeschlagen, um die Effizienz des Krankengeldsystems zu steigern. Der FDP-Politiker Carl-Julius Cronenberg ging noch einen Schritt weiter und regte an, Arbeitnehmern bis zu drei Tage ohne Lohnfortzahlung bei Krankschreibung zuzumuten. Doch der Vorschlag trifft auf breiten Widerstand.
Eine Studie der Krankenkasse TK ergab, dass zwei Drittel der Befragten Kürzungen beim Krankengeld ablehnen. TK-Vorstandsvorsitzender Jens Baas warnte, eine solche Maßnahme würde lediglich dazu führen, dass Behandlungen aufgeschoben, Krankheiten verschlimmert und langfristige Fehlzeiten erhöht würden. Die Personalexpertin Magdalena Rogl kritisierte den Fokus auf finanzielle Strafen und plädierte stattdessen für einen Wandel der Unternehmenskultur.
Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann lehnte die Rückkehr zu Karenztagen ab. Sein Ministerium setzt stattdessen auf eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur. Immer mehr Unternehmen verbessern die Arbeitsbedingungen und schaffen vertrauensvolle Umfelder, um Fehlzeiten zu verringern. Die Beschäftigten wiederum erwarten von ihren Vorgesetzten, dass diese auf ihre gesundheitlichen Bedürfnisse mit Einfühlungsvermögen reagieren.
Damit Karenztage überhaupt eingeführt werden könnten, müsste der Gesetzgeber zunächst den rechtlichen Rahmen schaffen. Der aktuelle Trend geht jedoch eher in Richtung besserer Arbeitsbedingungen als zu finanziellen Sanktionen. Die Debatte zeigt, wie sehr sich wirtschaftliche Vorschläge und die praktischen Sorgen von Arbeitnehmern und Gesundheitsvertretern gegenüberstehen.






