29 March 2026, 06:23

Kratzers provokante Peri-Inszenierung spaltet die Hamburger Staatsoper

Ein altes Buch mit einer Illustration von zwei ernsten Engeln auf dem Cover, das auf einer weißen Oberfläche liegt und den Text 'In Erinnerung Unserer Lieben Verblichenen' gegen einen gedämpften grauen Hintergrund zeigt.

Kratzers provokante Peri-Inszenierung spaltet die Hamburger Staatsoper

Die Hamburger Staatsoper präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri

Unter der Regie des designierten Intendanten Tobias Kratzer hat die Hamburger Staatsoper eine provokante Neuinterpretation von Robert Schumanns oratorischem Werk Das Paradies und die Peri auf die Bühne gebracht. Die Premiere am 27. September 2025 verwandelte das romantische Oratorium des 19. Jahrhunderts in einen scharfsinnigen Kommentar zur Gegenwart – mit gemischten Reaktionen: vereinzelt Buhrufe, doch am Ende begeisterter Applaus, der die anfängliche Skepsis übertönte.

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Kratzers Inszenierung deutet die orientalische Erzählung neu und folgt der Peri – einem himmlischen Wesen – auf ihrer Suche nach einem Geschenk, das ihr den Zugang zum Paradies ermöglichen soll. Ihre Reise entfaltet sich vor dem Hintergrund moderner Krisen: Krieg, Seuchen und generationenübergreifende Konflikte. In einem berührenden Moment steigt die von Vera-Lotte Boecker gesungene Peri ins Parkett hinab und setzt sich neben eine weinende Zuschauerin – eine Geste, die Empathie als Schlüssel zur Erlösung inszeniert.

Die Produktion bricht immer wieder die vierte Wand, indem Kratzer die Handlung direkt ins Publikum trägt. Bühnenlicht und fahrende Kameras verstärken die kritische Ebene, während eine weiße Figur Straßenmassen zum Kampf anstachelt, der in der Ermordung eines Schwarzen Mannes auf der Bühne gipfelt. Der dritte Akt rückt die Klimakrise in den Fokus und zeigt Kinder, die unter einer von Smog erstickten Industriekuppel spielen.

Kratzers künstlerische Vision entspricht seinen langfristigen Zielen für das Opernhaus. Als neuer Intendant will er die Verbindung der Institution zur Hamburger Gesellschaft durch ambitionierte, gesellschaftlich relevante Programme vertiefen. Diese Peri-Inszenierung ist sein erstes großes Statement in diese Richtung – eine Verschmelzung von Schumanns Partitur mit drängenden Gegenwartsthemen.

Die Premiere endete mit gespaltenen, doch letztlich begeisterten Reaktionen, wobei der Applaus die anfänglichen Proteste übertönte. Kratzers Arbeit positioniert die Hamburger Staatsoper als Ort für künstlerischen Wagemut. Die kommenden Spielzeiten werden zeigen, wie weit seine Pläne gehen, die Oper enger mit dem städtischen Leben zu verknüpfen.

Quelle