Pflege zu Hause kostet Familien oft mehr als ein Heim – doch warum bleibt es so teuer?
Andree TrubinPflege zu Hause kostet Familien oft mehr als ein Heim – doch warum bleibt es so teuer?
Die meisten Menschen in Deutschland, die auf Langzeitpflege angewiesen sind, werden zu Hause versorgt – doch die Kosten übersteigen oft jene in stationären Einrichtungen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass 85,9 Prozent der Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden bleiben, wobei mehr als die Hälfte ausschließlich von Angehörigen betreut wird. Kritiker bezeichnen die finanzielle Belastung für Familien im Vergleich zur Heimunterbringung mittlerweile als tief ungerecht.
Nach deutschem Recht hat die häusliche Pflege sogar offiziellen Vorrang. Paragraf 3 des Elften Buchs des Sozialgesetzbuchs (SGB XI) sieht vor, dass Betroffene möglichst in vertrauter Umgebung unterstützt werden sollen – und nicht in Pflegeheimen. Doch während nur 14,1 Prozent der Pflegebedürftigen in vollstationären Einrichtungen leben, wiegt die finanzielle Last für die Daheimgebliebenen deutlich schwerer.
Die medianen monatlichen Eigenanteile für die häusliche Pflege liegen bei 2.085 Euro – die Hälfte der Familien zahlt sogar noch mehr. Bei Schwerstpflegebedürftigen können die Kosten auf über 7.000 Euro pro Monat ansteigen. Dazu zählen sowohl direkte Zahlungen für professionelle Dienstleistungen als auch die unbezahlte Arbeit von Angehörigen – Ausgaben, die im Gegensatz zu Heimkosten nie sinken.
Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Eigenanteile in Pflegeheimen betrugen 2026 über 3.200 Euro monatlich. Allerdings fehlen historische Vergleichsdaten aus früheren Jahren, was langfristige Analysen erschwert. Der Bundesverband der Angehörigenpflege bezeichnete die Situation als "skandalöses Ungleichgewicht" und forderte die Politik auf, die Kluft zwischen häuslicher und stationärer Pflege zu schließen.
Familien, die Pflege zu Hause leisten, tragen nach wie vor höhere finanzielle Lasten als Heimbewohner. Da mehr als vier von fünf Pflegebedürftigen auf Unterstützung in den eigenen vier Wänden angewiesen sind, hat die Kostenscheere Forderungen nach politischen Reformen ausgelöst. Die Regierung steht nun unter Druck, die wachsende finanzielle Belastung unbezahlt pflegender Angehöriger und ihrer Haushalte zu entlasten.