Skandal um illegale Entsorgung von Bahn-Baustellenabfall vor Gericht
Andree TrubinSkandal um illegale Entsorgung von Bahn-Baustellenabfall vor Gericht
Vor dem Landgericht Dortmund hat ein großer Prozess um die illegale Entsorgung von belastetem Erdreich von einer Baustelle der Deutschen Bahn begonnen. Im Mittelpunkt steht ein Recyclingunternehmen, dem vorgeworfen wird, zwischen Februar und November 2024 fast 1.000 Lkw-Ladungen mit verschmutzter Erde umgeleitet zu haben. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher muss sich nun wegen seiner Rolle in dem System vor Gericht verantworten.
Das kontaminierte Erdreich stammte von der Baustelle des neuen ICE-Hightech-Instandhaltungswerks der Deutschen Bahn in Dortmund. Die für Mitte 2027 geplante Anlage im Wert von 400 Millionen Euro soll täglich bis zu 17 Hochgeschwindigkeitszüge warten und wird als klimaneutrales Projekt beworben. Statt einer ordnungsgemäßen Entsorgung soll das Recyclingunternehmen jedoch rund 24.000 Tonnen belastete Erde in zwei Kiesgruben am Niederrhein verbringen haben, wie Ermittler behaupten.
Dem Unternehmen wird zudem vorgeworfen, in Bottrop einen Umschlagplatz betrieben zu haben, von dem aus ein Großteil des Abfalls auf einer wilden Deponie in Selfkant illegal abgeladen wurde. Der Angeklagte, der bereits wegen früherer Umweltvergehen bekannt ist, saß zuvor wegen seiner Verstrickung in einen Skandal um giftige Ölpellets im Gefängnis.
Der Prozess wirft Fragen nach der Aufsichtspflicht der Deutschen Bahn bei der Abfallentsorgung auf ihren Baustellen auf. Die Behörden prüfen nun, ob ausreichende Kontrollen bestanden, um eine illegale Entsorgung in diesem Ausmaß zu verhindern.
Im Verfahren wird es um das Ausmaß der Beteiligung des Angeklagten an den illegalen Abfallgeschäften gehen. Angesichts von fast 1.000 nicht nachverfolgbaren Lkw-Ladungen zeigt der Fall Lücken in der Überwachung gefährlicher Baustellenabfälle auf. Das Urteil könnte richtungsweisend dafür werden, wie künftig mit solchen Umweltverstößen in Infrastrukturprojekten umgegangen wird.






