08 June 2026, 08:17

Wie 20 Frauen 1973 mit einem Streik die Lohnungerechtigkeit beendeten

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

Wie 20 Frauen 1973 mit einem Streik die Lohnungerechtigkeit beendeten

Im August 1973 löste eine kleine Gruppe von Frauen im Pierburg-Werk in Neuss einen historischen Streik aus. Ihr Protest gegen ungleiche Bezahlung entwickelte sich rasant zu einer Bewegung mit Hunderten Beteiligten. Die Arbeiterinnen forderten unter dem Motto „Eine Mark mehr!“ faire Löhne – und setzten sich schließlich durch.

Der Streik begann am 13. August, als etwa 20 Frauen die Fabrik verließen. Innerhalb weniger Tage wuchs ihre Zahl auf Hunderte an, darunter viele zugewanderte Arbeiterinnen aus ganz Europa. Die Frauen waren nach dem Tarif „leichte Arbeitsgruppe 2“ eingestuft worden und verdienten für dieselbe Arbeit weniger als ihre männlichen Kollegen.

Zunächst griff die Polizei ein, um den Streik zu beenden; ein Beamter wurde später beschuldigt, rassistische Beleidigungen geäußert zu haben. Dennoch erhielten die Streikenden Unterstützung – von Künstlern wie Joseph Beuys, von Arbeiterinnen und Arbeitern aus anderen Städten und sogar von männlichen Kollegen, die in einer für die Zeit ungewöhnlichen Solidaritätsbekundung ihre Forderungen unterstützten.

Am Freitag, dem 17. August, lenkten die Arbeitgeber schließlich ein. Sie boten eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig an und willigten ein, die diskriminierende Einstufung „leichte Arbeitsgruppe 2“ abzuschaffen. Der Erfolg setzte ein Zeichen und führte bundesweit zur Abschaffung dieser Lohngruppe.

Der Pierburg-Streik markierte einen Wendepunkt für die Arbeiterrechte in Deutschland. Der Erfolg der Frauen zwang die Arbeitgeber, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit anzuerkennen. Die Abschaffung der „leichten Arbeitsgruppe 2“ wirkte über Neuss hinaus und veränderte die Arbeitsbedingungen im ganzen Land.

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