Wie aus einem harmlosen Kinderreim ein düsterer Pest-Mythos entstand
Andree TrubinWie aus einem harmlosen Kinderreim ein düsterer Pest-Mythos entstand
„Ringel, Ringel, Reihe“ – ein harmloses Kinderlied mit düsterem Mythos
Das Kinderreim „Ringel, Ringel, Reihe“ wird seit langem mit makabren Theorien über die Große Pest in Verbindung gebracht. Viele glauben, er thematisiere Tod und Krankheit – doch Historiker halten diese Behauptungen für unbelegt. Die wahre Geschichte hinter dem Lied ist weit weniger unheimlich, als der Mythos suggeriert.
Die früheste gedruckte englische Fassung des Reims erschien erst 1881. Dieses späte Datum macht es unwahrscheinlich, dass das Lied – wie manchmal behauptet – auf die Große Pest von London im Jahr 1665 zurückgeht. Stattdessen deuten Hinweise darauf hin, dass es seinen Ursprung im 18. Jahrhundert in Deutschland als einfaches Kinderspiel mit Gesang hat.
Eine plausible Erklärung verknüpft den Reim mit religiösen Tanzverboten im 19. Jahrhundert. Kinder könnten solche Singspiele genutzt haben, um sich trotz der Einschränkungen zu bewegen. Im Laufe der Zeit verbreitete und veränderte sich der Reim, wobei in verschiedenen Regionen unterschiedliche Versionen entstanden.
Trotz seiner Beliebtheit finden sich in den meisten frühen Fassungen keine durchgängig düsteren Motive. Historiker stufen die Pest-Verbindung als modernen Mythos ein, da keine historischen Quellen sie stützen. Das Fehlen konkreter Belege hat viele dazu veranlasst, die Theorie vollständig zu verwerfen.
Die wahren Wurzeln des Reims liegen vermutlich in einem harmlosen Kinderspiel – nicht in einem finsteren historischen Ereignis. Die zahlreichen Varianten und das Fehlen nachweisbarer Pest-Bezüge untermauern diese Sicht. Dennoch bleibt der hartnäckige Mythos ein fester Bestandteil seines kulturellen Erbes.






