Wie die AfD mit Ängsten und Deindustrialisierung zur Macht aufstieg
Andree TrubinDie Stadtlandschaft und der Osten: Im Angstbereich der deutschen Politik - Wie die AfD mit Ängsten und Deindustrialisierung zur Macht aufstieg
Die rechtspopulistische AfD hat sich im vergangenen Jahrzehnt stetig ausgebaut, indem sie öffentliche Ängste und wirtschaftliche Sorgen für sich nutzte. Was einst eine Splittergruppe war, ist heute eine einflussreiche Kraft – etwa in Städten wie Duisburg, wo die Partei bei den letzten Kommunalwahlen zur zweitstärksten Kraft aufstieg. Analysten führen diesen Aufstieg auf eine Mischung aus Migrationsbedenken, Deindustrialisierung und langjähriger sozialer Ausgrenzung zurück.
Der erneute Aufstieg der AfD begann 2015, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel die Grenzen für Geflüchtete geöffnet hatte. Noch im selben Jahr warnte Björn Höcke, der thüringische Parteichef der AfD, auf einer Kundgebung in Erfurt: "Die Angstzonen wachsen, besonders für blonde Frauen." Seine Äußerungen spiegelten eine Strategie wider, die gezielt Ängste vor Migration und Sicherheit schürte.
In Duisburg sorgte das starke Abschneiden der AfD bei den jüngsten Wahlen für Aufsehen. Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, startete als Reaktion eine "Ost-Offensive", um der Partei in dem von ihm so genannten "wilden Osten" Deutschlands Paroli zu bieten. Er führt den Erfolg der AfD auf Spannungen durch Migration, Deindustrialisierung, vererbte Armut und soziale Randständigkeit zurück.
Der Journalist Martin Debes hat diese sogenannten "Angstzonen" in ganz Deutschland dokumentiert. Seine Berichte beschreiben rechtsextreme Gruppen, die sich an Kleinstadtbahnhöfen versammeln, sowie Kriminalität in Verbindung mit Migrantenfamilien. Jahre lang hat die AfD solche Themen aufgegriffen – mit wenig Widerstand aus der politischen Mitte.
Mittlerweile ist die AfD fest in der deutschen Politik verankert, besonders in Regionen, die von wirtschaftlichem Niedergang und demografischem Wandel stark betroffen sind. Ihre Fähigkeit, öffentliche Unzufriedenheit zu kanalisieren, hat Kommunalparlamente verändert und andere Parteien zum Handeln gezwungen. Ob Initiativen wie die "Ost-Offensive" der Grünen diesen Trend umkehren können, bleibt abzuwarten.






