BP beschleunigt Umstrukturierung trotz steigender Ölpreise und Marktzwänge
Adalbert BiggenBP beschleunigt Umstrukturierung trotz steigender Ölpreise und Marktzwänge
BP beschleunigt seine interne Umstrukturierung, während die Ölpreise steigen und der Marktdruck zunimmt. Die Aktie des Konzerns schloss am Freitag bei 6,45 Euro und verzeichnete damit einen Anstieg von über 27 Prozent seit Jahresbeginn. Gleichzeitig sind die globalen Ölpreise aufgrund von Blockaden in der Straße von Hormus gestiegen, was den Preis für Brent-Rohöl auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel getrieben hat.
Die Umstrukturierung bei BP begann bereits 2023, doch der Marktwert des Unternehmens ist bis März 2026 von etwa 100 Milliarden auf rund 75 Milliarden US-Dollar gesunken. Dieser Rückgang ist auf eine Mischung aus Herausforderungen zurückzuführen: sinkende Ölpreise aufgrund eines globalen Überangebots, stärkere Konkurrenz durch Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien, strengere Vorschriften für fossile Brennstoffe sowie enttäuschende Ergebnisse früherer Kostensenkungsmaßnahmen.
BP hat nun sein Ziel für die Kostensenkung bis 2027 auf einen Rahmen zwischen 6,5 und 7,5 Milliarden US-Dollar erhöht. Mit diesem Schritt sollen die Finanzen stabilisiert und die zukünftige Liquidität gesichert werden. Gleichzeitig treibt der Konzern Desinvestitionen voran und plant bis 2027 Verkäufe im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar – wobei bereits über 11 Milliarden umgesetzt wurden.
Ein bedeutendes Geschäft betrifft den Verkauf der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group. Das Werk verarbeitet jährlich 12 Millionen Tonnen, und etwa 1.800 Mitarbeiter werden an den neuen Eigentümer übergehen. Durch den Verkauf könnten die Verbindlichkeiten von BP um bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar reduziert werden. Die HSBC reagierte darauf mit einer Hochstufung der BP-Bewertung von "Reduzieren" auf "Halten" und erhöhte gleichzeitig das Kursziel.
Allerdings sieht sich BP weiterhin mit Arbeitskonflikten konfrontiert. Rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte der Raffinerie in Whiting, Indiana, wurden nach gescheiterten Tarifverhandlungen ausgesperrt. Die US-Regierung erteilte daraufhin eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung nach dem Jones Act, um Engpässe in der Lieferkette zu mildern.
Die jüngsten Maßnahmen von BP – Kostensenkungen, Vermögensverkäufe und Umstrukturierungen – erfolgen in einem volatilen Marktumfeld. Zwar hat sich die Aktie des Unternehmens in diesem Jahr erholt, doch seine langfristige Position hängt davon ab, Schuldenabbau und operative Herausforderungen in Einklang zu bringen. Die Ölpreise bleiben zwar hoch, doch regulatorische und wettbewerbsbedingte Zwänge prägen weiterhin die Zukunft des Konzerns.






