RAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe droht dem Wohnungsbau zu weichen
Andree TrubinRAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe droht dem Wohnungsbau zu weichen
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes steht auf der Kippe – nach Jahren gescheiterer Verhandlungen. Die Eigentümerin, die Kurth Group, erklärte den Planungsprozess für gescheitert und forderte Mieter wie den Club Cassiopeia auf, das Gelände bis Ende des Monats zu räumen.
Die Verhandlungen über die Entwicklung des RAW-Areals ziehen sich bereits seit fast elf Jahren hin. 2022 schien eine Einigung greifbar: Der Bezirk schlug einen 100 Meter hohen Büroturm vor – im Gegenzug sollte das kulturelle Herzstück des Geländes, das sogenannte „kulturelle L“, erhalten bleiben. 2023 wurden die Gespräche wiederaufgenommen, eine Lösung sollte bis Mai stehen. Doch es kam zu keiner Einigung.
Die Kurth Group, die das Gelände 2015 erworben hatte, brach die Verhandlungen in diesem Jahr ab. Das Unternehmen warf der Stadt vor, der im Mai vorgelegte Rahmenvertrag begünstige vor allem Berlins Interessen – nicht ihre eigenen. Nun will die Gruppe das Gelände gewinnbringend mit Wohnungen bebauen, gestützt auf Paragraf 34 des deutschen Bauplanungsrechts. Diese Regelung ermöglicht Bauten in ehemaligen Ost-Berliner Gebieten auch ohne formellen Bebauungsplan.
Trotz der unsicheren Zukunft herrschte am Wochenende auf dem RAW-Gelände noch reges Treiben. Am Samstagabend versammelten sich Menschen zu einer öffentlichen Fußball-Übertragung – ahnungslos gegenüber den bevorstehenden Veränderungen. Florian Falkenhagen, Geschäftsführer des Cassiopeia, erhielt mündlich die Aufforderung, den Club innerhalb weniger Wochen zu räumen. Betroffen sind auch andere Projekte auf dem Gelände.
Das langjährige subkulturelle Zentrum auf dem RAW-Areal steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Mieter müssen bald weichen, während die Eigentümerin das Gelände für Wohnraum erschließen will. Das Scheitern der Verhandlungen markiert das Ende eines jahrzehntelangen Ringens um die Balance zwischen Rendite und Erhalt.






