Rébecca Chaillons La Parabole du Seum bricht mit Theaterkonventionen und gesellschaftlichen Tabus
Adalbert BiggenRébecca Chaillons La Parabole du Seum bricht mit Theaterkonventionen und gesellschaftlichen Tabus
Regisseurin Rébecca Chaillon präsentiert mit La Parabole du Seum ein mutiges neues Bühnenwerk. Die Produktion greift Motive aus Octavia Butlers Roman Parabel vom Sämann auf und verbindet sie mit den Lebensgeschichten einer Popstar und einer Astrophysikerin aus derselben stigmatisierten Banlieue, in der auch Chaillon aufwuchs. Im Mittelpunkt stehen Fragen von Glauben, Frustration und den Realitäten marginalisierter Körper.
Die Aufführung beginnt ungewöhnlich: Die Performerin Julie Teuf verteilt Butter an das Publikum, lädt zum Kosten ein und kündigt eine Verlosung an – ein überraschender Auftakt für die fast dreistündige Inszenierung.
Das Stück oszilliert zwischen Groteskem und Faszinierendem. In einer Szene bedecken sich die Darsteller:innen gegenseitig mit Gelee und wälzen sich über die Bühne. Später werden Szenen aus The Biggest Loser nachgestellt, in denen sie sich für ihre Körper entschuldigen – Körper, die als regelbrechend markiert werden.
Das Thema Skalierung zieht sich durch die Produktion: Mal wirkt die Gruppe wie eine Gemeinschaft des gemeinsamen Leidens, mal wie eine Schar Überlebender. Schon der Titel spielt mit Bedeutungen – „Parabel“, „Satellitenschüssel“ und „seum“, ein französischer Slangausdruck für Wut und Bitterkeit.
Die Inszenierung hinterfragt, wie Körper Leben prägen – besonders für diejenigen, die sich als fett identifizieren. Mit einem unkonventionellen, berührenden und mitunter zähen Ansatz fordert sie Wahrnehmungen heraus. Chaillon, eine der prägendsten Stimmen der französischen Kulturszene, lotet damit einmal mehr die Grenzen des Theaters aus.






