"Sünderwald" wird trotz Artenschutz und Protesten gerodet – für einen künftigen See
Andree TrubinWas Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - "Sünderwald" wird trotz Artenschutz und Protesten gerodet – für einen künftigen See
Der "Sünderwald" – ein kleines Waldstück nahe dem Tagebau Hambach – soll trotz Protesten gerodet werden. Die Entscheidung folgt einem Gerichtsurteil von Januar, das die Fällung der Bäume ab dem 1. Oktober erlaubte. Für viele weckt die Räumung Erinnerungen an frühere Umweltkämpfe in der Region.
Sein ungewöhnlicher Name stammt aus alten Erzählungen, wonach sich Dorfbewohner dort einst heimlich trafen. Nun hängt seine Zukunft in der Schwebe, denn der Energiekonzern RWE plant, am Standort Kies für den Abbau abzubauen.
Der "Sünderwald" liegt östlich des größeren Hambacher Forstes, einer Fläche, die seit Langem wegen des Braunkohleabbaus umstritten ist. Jahrzehntelanger Kohleabbau hat bereits tiefe Krater in die rheinische Landschaft gerissen und karge Gruben hinterlassen, die wie Mondlandschaften wirken. Nordrhein-Westfalen will den Braunkohleabbau bis 2030 beenden; die stillgelegten Tagebaue sollen später zu künstlichen Seen umgewandelt werden.
RWE begründet die Rodung damit, dass der Kies für die Stabilisierung der Ufer eines zukünftigen Sees benötigt werde. Das Unternehmen betont, alle rechtlichen Auflagen erfüllt zu haben, darunter auch Artenschutzprüfungen. Dennoch identifizierten offizielle Berichte vier geschützte Arten, die gefährdet sind: die Bechsteinfledermaus, den Haselmaus, den Mittelspecht und den Laubfrosch.
Kritiker werfen dem Konzern vor, ein intaktes Ökosystem für wirtschaftliche Interessen zu opfern. Die Stadt Kerpen hat bereits den öffentlichen Zutritt zum Gebiet ab dem 20. Oktober untersagt – ein erster Schritt, um die Baumfällungen vorzubereiten.
Die Rodung des "Sünderwalds" wird trotz Bedenken hinsichtlich des Artenschutzes und des ökologischen Verlusts wie geplant voranschreiten. RWE hält die Maßnahmen für notwendig, um die zukünftige Geländestabilisierung zu sichern. Während der Braunkohleabbau langsam ausläuft, verwandelt sich die Region in eine Seenlandschaft – doch um den Preis der letzten verbliebenen Wälder.






