02 April 2026, 16:21

Theater hinter Gittern: Wie junge Häftlinge in Wiesbaden mit DNA begeistern

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" und sichtbarem Text sowie einem Logo auf der Seite.

Theater hinter Gittern: Wie junge Häftlinge in Wiesbaden mit DNA begeistern

Volles Haus in der Wiesbadener Jugendstrafanstalt: Junge Häftlinge begeistern mit packendem Bühnenspiel

Rund 80 Zuschauer füllten vergangene Woche die Wiesbadener Jugendstrafanstalt, um sich eine mitreißende Theateraufführung junger Inhaftierter anzusehen. Die Veranstaltung war ein weiterer Erfolg des langjährigen Theaterprogramms der Einrichtung, das seit 2008 Resozialisierung durch Schauspielkunst fördert.

Die unter der Regie von Matze Vogel inszenierte Produktion führte DNA auf – ein modernes Jugendtheater-Klassiker des britischen Dramatikers Dennis Kelly. Als der Vorhang fiel, belohnte das Publikum die Schauspieler mit donnerndem Applaus und würdigte damit ihren Einsatz und ihr Talent.

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Seit über 15 Jahren ist Theater ein zentraler Bestandteil der Resozialisierungsarbeit in der Wiesbadener Jugendstrafanstalt. Seit 2008 erhalten Häftlinge zwischen 20 und 24 Jahren jährlich die Möglichkeit, an Theaterproduktionen mitzuwirken, deren Vorstellungen stets innerhalb weniger Tage ausverkauft sind. Die Anstalt verfügt sogar über eine eigene Studiobühne, die 2013 eingerichtet wurde – die erste und bisher einzige ihrer Art in einem deutschen Gefängnis.

Für die diesjährige Aufführung wählte Regisseur Matze Vogel DNA, ein düster-komisches Stück von Dennis Kelly, das sich mit Themen wie Verantwortung, Gruppendruck und moralischen Entscheidungen auseinandersetzt. Die jungen Darsteller konnten sich so mit komplexen Emotionen beschäftigen. Zwei von ihnen, die nur unter den Initialen J. und E. bekannt sind, berichteten von ihren Erfahrungen. J. beschrieb das Theater als etwas, das ihm ein Gefühl von Freiheit gebe, während E. erklärte, wie das Schauspiel ihm helfe, andere – und sich selbst – besser zu verstehen.

Michaela Wasemüller, die Leiterin der Justizvollzugsanstalt, betonte, dass Theater weit mehr sei als bloße Unterhaltung. Es handele sich um eine strukturierte Resozialisierungsmaßnahme, die Selbstvertrauen, Einfühlungsvermögen und Disziplin stärken solle. Der Erfolg des Programms zeigt sich Jahr für Jahr: Die Aufführungen sind stets ausverkauft, und die Hingabe der Inhaftierten spiegelt sich in ihrer Arbeit wider.

Das jährliche Theaterprojekt der Wiesbadener Jugendstrafanstalt bietet den Insassen nicht nur eine kreative Plattform, sondern auch einen Weg zur persönlichen Weiterentwicklung. Mit einer eigenen Studiobühne und einer Geschichte ausverkaufter Vorstellungen ist das Programm eine einzigartige Initiative im deutschen Strafvollzug. Für die jungen Schauspieler bedeutet die Erfahrung mehr als nur eine Bühnenshow – sie vermittelt Fähigkeiten, die ihr Leben über die Gefängnismauern hinaus prägen könnten.

Quelle