07 April 2026, 18:28

Warum Pressesprecher:innen nicht mehr mit Journalist:innen sprechen wollen

Ein Mann im Anzug spricht in ein Mikrofon an einem Rednerpult, wahrscheinlich zur Ankündigung eines vom Staat genehmigten Gesetzes, das den Internetgebrauch verbietet.

Warum Pressesprecher:innen nicht mehr mit Journalist:innen sprechen wollen

Journalist:innen und PR-Fachleute geraten zunehmend aneinander, wenn es um die Art ihrer Kommunikation geht. Immer mehr Reporter:innen berichten, dass Pressesprecher:innen Telefonate verweigern und stattdessen auf schriftliche E-Mails bestehen. Dieser Wandel sorgt auf beiden Seiten für Frust – manche sprechen sogar von einem Vertrauensbruch und einem Effizienzverlust.

Die Diskussion begann, nachdem John Stanley Hunter auf LinkedIn die Frage stellte: "Warum sprechen Pressesprecher:innen nicht mehr mit der Presse?" Die Antworten von Redakteur:innen, Journalist:innen und PR-Expert:innen offenbarten eine wachsende Kluft zwischen Medien und Unternehmen in ihrer Zusammenarbeit.

Jan Dams, Chefredakteur der Welt am Sonntag, beschrieb eine typische Erfahrung: Ein Anruf bei einer Pressestelle ende fast immer mit derselben Antwort – "Schicken Sie einfach eine E-Mail." Sachar Klein, Chief Attention Officer der PR-Agentur hypr, bestätigte diesen Trend und sagte, Journalist:innen erhielten häufig dieselbe abweisende Reaktion.

Michael Knauer, Reporter bei Automobilwoche, erkannte das Muster an, betonte aber, dass es noch Ausnahmen gebe. Wenn Vertrauen aufgebaut sei, teilten Pressesprecher:innen mitunter wertvolle Hintergrundinformationen unter der Hand mit. Solche Fälle würden jedoch seltener, gab er zu.

Anette Dowideit, Chefredakteurin von Correctiv, nannte einen anderen Grund für die Bevorzugung schriftlicher Stellungnahmen. Ihr Team benötige offizielle, dokumentierte Antworten, um sich vor rechtlichen Risiken zu schützen. Ohne diese könnten Berichte anfällig für Streitigkeiten werden.

Andere wiesen auf tiefere Probleme hin. Lutz Cleffmann, Geschäftsführer der ECCO Düsseldorf, zitierte eine Aussage über die Angst als Treiber unternehmerischer Vorsicht. Thomas Holzamer, verantwortlicher Redakteur von Finance Online, schilderte seine eigenen Erfahrungen – Banken ignorierten Anrufe oder rückten nicht zurück. Peter Ehrlich, Reporter der Süddeutschen Zeitung, argumentierte, dass Journalist:innen direkten Zugang brauchten, einschließlich Mobilnummern, um Pressesprecher:innen schnell zu erreichen.

Die Debatte richtete sich auch gegen die Medien selbst. Marco Cabras, Mitgründer von newskontor, fragte, warum Reporter:innen oft selbst schwer telefonisch zu erreichen seien. Sein Kommentar warf die Frage nach einem möglichen Doppelstandard in den Kommunikationsgewohnheiten der Branche auf.

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Die Diskussion zeigt einen klaren Trend zur E-Mail-basierten Kommunikation zwischen Journalist:innen und Pressesprecher:innen. Manche sehen darin einen notwendigen Schutz, andere kritisieren, dass daduch die Berichterstattung verlangsamt und Beziehungen belastet werden. Beide Seiten passen sich an – doch ob künftig Vertrauen oder Bequemlichkeit den Ton angeben, bleibt ungewiss.

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