CSU will strafrechtliche Verantwortung für Kinder ab 12 Jahren verschärfen – doch hilft das gegen Jugendkriminalität?

CSU will strafrechtliche Verantwortung für Kinder ab 12 Jahren verschärfen – doch hilft das gegen Jugendkriminalität?
In Deutschland nimmt die Debatte darüber zu, wie der Anstieg der Jugendkriminalität bekämpft werden kann. Die CSU drängt darauf, das Mindestalter für die strafrechtliche Verantwortung bei schweren Straftaten von 14 auf 12 Jahre zu senken. Unterdessen hat Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) Reformvorschläge vorgelegt, darunter schnellere Prozesse und strengere Strafen für Wiederholungstäter.
Kritiker argumentieren, dass härtere Sanktionen die Entwicklung von Kindern gefährden könnten, ohne die tieferliegenden Probleme anzugehen. Junge Menschen sehen sich heute mit anhaltenden Herausforderungen konfrontiert – von den Folgen der Pandemie über Armut bis hin zu übermäßigem Smartphone-Gebrauch.
Die CSU strebt eine Änderung des Jugendgerichtsgesetzes an, um ein "abgemildertes Jugendstrafrecht" einzuführen. Nach ihren Plänen könnten 12- und 13-Jährige bei Gewalt- oder Sexualdelikten schneller in Haft genommen und mit strengeren erzieherischen Maßnahmen belegt werden. Das volle Erwachsenenstrafrecht würde weiterhin erst ab 18 Jahren gelten.
Herbert Reul vertritt eine etwas andere Position. Zwar fordert er keine pauschale Herabsetzung des Mindestalters, doch unterstützt er schnellere Verfahren, mehr Jugendrichter sowie den Ausbau der Kurzzeitinhaftierung für junge Straftäter. Zudem setzt er sich für eine stärkere Polizeipräsenz in Kriminalitätsschwerpunkten und ein härteres Vorgehen gegen Wiederholungstäter, insbesondere in Banden, ein. Reul behauptet, die heutigen 12-Jährigen seien reifer als frühere Generationen, hat dafür jedoch keine Belege vorgelegt.
Gegner der Pläne zweifeln daran, ob eine Senkung des Verantwortungsalters die Jugendkriminalität tatsächlich verringern wird. Sie argumentieren, dass Bestrafung zwar in Einzelfällen abschreckend wirken mag, die Ursachen des Problems aber nicht bekämpft. Stattdessen schlagen sie vor, sich auf die Lebensrealitäten junger Menschen zu konzentrieren – etwa Einsamkeit, Armut oder die langfristigen Folgen der Pandemie.
Kritiker warnen, dass ein Ausbau der Sanktionen mehr schaden als nützen könnte. Viele Jugendliche kämpfen bereits mit Unsicherheit, und strengere Maßnahmen könnten ihre Entwicklung weiter belasten, ohne die zugrundeliegenden Probleme zu lösen.
Die Diskussion zeigt eine Spaltung zwischen Befürwortern härterer Strafen und denen, die auf soziale Unterstützung setzen. Der Vorstoß der CSU, das strafrechtliche Mindestalter zu senken, stößt auf Skepsis hinsichtlich seiner Wirksamkeit. Reuls Vorschläge zielen zwar auf eine Beschleunigung der Justiz ab, werfen aber ebenfalls Fragen nach den langfristigen Auswirkungen auf.

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