Totensonntag: Warum der VfL Bochum auf sein Lied verzichtete – und was dahintersteckt

Totensonntag: Warum der VfL Bochum auf sein Lied verzichtete – und was dahintersteckt
Totensonntag: Zwischen Tradition und moderner Kritik
Letzten Sonntag beging Deutschland den Totensonntag, den evangelischen Buß- und Bettag. Wie jedes Jahr brachte der Gedenktag vertraute Einschränkungen mit sich – besonders in Nordrhein-Westfalen, wo Unterhaltungsveranstaltungen strengen Auflagen unterlagen. Die langjährige Praxis sorgt immer wieder für Diskussionen über ihre Berechtigung in einer säkularen Gesellschaft.
In Nordrhein-Westfalen galt am Totensonntag wie üblich bis 18 Uhr ein Veranstaltungsverbot. Öffentliche Musikdarbietungen waren untersagt, und selbst Fußballvereine passten sich an: Der VfL Bochum verzichtete etwa auf sein traditionelles Vorspiel-Lied Bochum, um den Charakter des Tages zu wahren.
Hinter den Regelungen steht eine lange Tradition staatlich gestützter religiöser Prägung. So profitieren die Kirchen in Deutschland etwa von staatlich eingezogenen Kirchensteuern und sind in Rundfunkräten vertreten. Kritiker jedoch argumentieren, dass solche Vorschriften längst nicht mehr die gesellschaftliche Stimmung widerspiegeln, sondern nur noch veraltete Formalien darstellen. Die Zensurtradition beschränkt sich dabei nicht auf den Totensonntag: Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hat seit 2015 über 750 Filme an Karfreitagen verboten – darunter Klassiker wie Das Leben des Brian, die als potenziell religiös anstoßend galten. Die Praxis zeigt, wie tief diese Regeln trotz wandelnder Einstellungen zu Glauben und Öffentlichkeit noch verankert sind.
Die Unterhaltungsverbote an Totensonntag und Karfreitag bleiben damit eine Mischung aus rechtlicher Pflicht und kultureller Gewohnheit. Während manche sie für überflüssig halten, prägen sie weiterhin das öffentliche Leben in Teilen Deutschlands. Die Debatte über ihren Sinn – und ob sie noch zeitgemäß sind – ist noch lange nicht entschieden.

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