Frankenforst: Wie ein Villenviertel die Abgründe der deutschen Geschichte spiegelt

Admin User
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Eine Tasche mit "Bibliotheksliebhaber" drauf und einige Bücher auf einem Bett.

Frankenforst: Wie ein Villenviertel die Abgründe der deutschen Geschichte spiegelt

Villenkolonie Frankenforst: Verdängte Wahrheiten im begehrten Wohnviertel

Ein verbotene Liebe, NS-Enteignungen, die Vertreibung der Villenbesitzer in den eigenen Hühnerstall – das Buch der Frankenforsterin Rosine De Dijn "In begehrter Lage" ist eine Anatomie des Erinnerens: Im Bensberger Villenviertel Frankenforst spiegeln sich die Tragödien der beiden Weltkriege wie unter einem Brennglas, verdichtet auf wenige Fassaden und Familienschicksale.

Ein neues Buch der 84-jährigen Journalistin Rosine De Dijn bringt längst vergessene Geschichten aus der Villenkolonie Frankenforst ans Licht. Unter dem Titel "In begehrter Lage" untersucht die Autorin, wie die beiden Weltkriege das Leben der Anwohner prägten. Anhand von Grundbuchakten, Tagebüchern und privaten Briefen enthüllt sie eine Gemeinschaft, die von rechtsextremer Radikalisierung und persönlichen Tragödien gezeichnet war.

De Dijns eigene Verbindung zu dieser Epoche ist tief verwurzelt: Sie wurde während des Zweiten Weltkriegs geboren, nachdem ihre Mutter aus Belgien vor der deutschen Besatzung geflohen war. Jahrzehnte später sorgt ihre Recherche nun für großes Aufsehen – über 100 Menschen besuchten die erste Buchpräsentation, und Anfragen kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Im Mittelpunkt steht die Waldsiedlung Frankenforst, wo die Narben beider Weltkriege bis heute nachwirken. Eine zentrale Figur ist Richard Jahr, SS-Hauptsturmführer und Verlagsleiter, der sich eine Villa in der Kolonie aneignete. Von dort aus gab er die antisemitische Zeitung "Westdeutscher Beobachter" heraus und verbreitete unter dem Einfluss Heinrich Himmlers NS-Propaganda.

Auch die Schulen des Viertels blieben von extremistischem Gedankengut nicht verschont. Conrad Grommes, Lehrer und Schulleiter, trieb seine jungen Schüler im Namen des "Vaterlands" an die Front. Kritische Berichterstattung bezeichnete er als "lügnerische Hysterie" – ein Beispiel für die damalige Feindseligkeit gegenüber abweichenden Meinungen. Kneipen, Wohnzimmer und Klassenzimmer wurden so zu Brutstätten rechtsextremer Ideologien, die noch lange nach Kriegsende nachwirkten.

Zwischen den historischen Abgründen erzählt das Buch auch von einer verbotene Liebe: die Beziehung zwischen einem belgischen Offizier und Anneliese Scheidtweiler, einer deutschen Frau, während der Nachkriegsbesetzung. Ihr Schicksal, eingewoben in die politischen Spannungen der Zeit, verleiht der großen Geschichte ein menschliches Gesicht. De Dijn blickt zudem auf die eigene Familienvergangenheit zurück, etwa die Flucht ihrer Mutter 1940 aus Belgien nach Frankreich vor den vorrückenden deutschen Truppen.

Die Recherche stützt sich auf ein reichhaltiges Quellenmaterial: Baupläne, Zeitungsausschnitte, Privatfotos und Tagebucheinträge. Sie zeichnen ein lebendiges Bild des Lebens in Frankenforst, wo prunkvolle Villen neben tiefen ideologischen Gräben standen. De Dijns Anliegen ist es nicht nur, unangenehme Wahrheiten aufzudecken, sondern auch Hoffnung zu stiften, indem sie diesen vergessenen Stimmen Gehör verschafft.

Die Veröffentlichung hat großes Interesse geweckt – Anfragen kommen aus mehreren Städten. Die Verbindung aus historischen Dokumenten und persönlichen Erzählungen bietet eine präzise Anatomie des Erinnerens und richtet den Blick auf jene, die Frankenforst einst ihr Zuhause nannten. Indem De Dijn diese Schicksale ans Licht holt, stellt sie sicher, dass die Erfahrungen der Anwohner – ob als Opfer oder als Täter – nicht in Vergessenheit geraten.

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