Warum deutsche Theater mit Marathon-Aufführungen begeistern und ausverkauft sind
Elvira ZiegertWarum deutsche Theater mit Marathon-Aufführungen begeistern und ausverkauft sind
Deutsches Theater und die Tradition der Marathon-Aufführungen
Das deutsche Theater ist seit langem für seine extrem langen Aufführungen bekannt, die die übliche Spieldauer bei Weitem übersteigen. Auch beim diesjährigen Berliner Theatertreffen wurden wieder ultra-lange Produktionen gezeigt, die begeisterte Zuschauer anzogen und schnell ausverkauft waren. Der Trend spiegelt eine Tradition ambitionierter, ausufernder Inszenierungen wider, die sowohl Schauspieler als auch Publikum herausfordern.
Die Praxis, außergewöhnlich lange Stücke auf die Bühne zu bringen, etablierte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Aufstieg des Regietheaters. Regisseure begannen, Klassiker mit kühnen Interpretationen neu zu inszenieren – oft mit deutlich erweiterter Spieldauer. Ein extremes Beispiel lieferte 1999 Luk Percevals Schlachten bei den Salzburger Festspielen, das ganze zwölf Stunden dauerte.
In den letzten Jahren setzte sich diese Tradition fort: 2023 brachte das Schauspielhaus BochumDie Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. In diesem Jahr zeigte das Münchner Kammerspiele beim Theatertreffen Wallenstein: Ein Fest der Schlacht in sieben Gängen – ebenfalls sieben Stunden lang. Die Tickets für das Festival, das vom 1. bis 17. Mai stattfand, waren rasant vergriffen und beweisen die anhaltende Faszination für solche monumentalen Inszenierungen.
Auch die Berliner Volksbühne plant die Wiederbelebung von Peer Gynt, dessen erster Teil allein acht Stunden dauerte. Nora Hertlein-Hull, die Leiterin des Theatertreffens, erlebte ihre erste ultra-lange Produktion im Jahr 2007. Zwar führt der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken über Spieldauern, doch der Trend bleibt ein prägendes Merkmal der deutschen Theaterszene.
Das Berliner Theatertreffen, eines der renommiertesten Festivals Deutschlands, unterstreicht weiterhin die Nachfrage nach immersivem, langem Theater. Produktionen wie Wallenstein oder das anstehende Peer Gynt zeigen, wie das Publikum diese ambitionierten Inszenierungen annimmt. Mit schnell ausverkauften Vorstellungen deutet nichts darauf hin, dass die Ära der Theater-Marathons bald endet.






