Wie eine irreführende Grafik Migration mit Sexualstraftaten verknüpft – trotz fehlender Beweise

Wie eine irreführende Grafik Migration mit Sexualstraftaten verknüpft – trotz fehlender Beweise
Ein irreführendes Diagramm, das Migration mit einem Anstieg sexueller Straftaten in Verbindung bringt, taucht erneut in deutschen politischen Debatten auf. Die Grafik, die ursprünglich im August 2023 von T-Online veröffentlicht wurde, wurde kürzlich von rechtsextremen Akteuren geteilt – darunter AfD-Abgeordnete und ein österreichisches Desinformationsportal. Doch die offiziellen Daten erzählen eine andere Geschichte über die wahren Ursachen des Anstiegs der erfassten Fälle.
Das umstrittene Diagramm zeigt die Entwicklung der Tatverdächtigen bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von 1987 bis 2022 auf, basierend auf Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Zwar verzeichnet es einen deutlichen Anstieg der Fälle zwischen 2020 und 2021, doch dieser Sprung ist vor allem auf eine Zunahme von Delikten im Zusammenhang mit kinderpornografischem Material zurückzuführen. Zudem spielten gesetzliche Änderungen seit 2015 eine Rolle: Die Einführung der „Nein-heißt-Nein“-Regelung sowie neue Gesetze gegen sexuelle Belästigung und gruppenbezogene Straftaten erweiterten den Rahmen dessen, was als erfasste Straftat gilt.
Florian Machl, Chefredakteur des österreichischen Portals Report24, sowie die AfD-Politiker Maximilian Krah und Maximilian Kneller nutzten die Grafik, um einen Zusammenhang zwischen Migration und Sexualstraftaten zu suggerieren. Doch Bundesberichte aus den Jahren 2015 bis 2022 bestätigen, dass die Mehrheit der Tatverdächtigen in diesen Fällen die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Die PKS selbst hat ihre Grenzen – sie erfasst nur abgeschlossene polizeiliche Ermittlungen und dokumentiert nicht den Migrationshintergrund der Verdächtigen. Die Grafik gewann erstmals 2024 an Aufmerksamkeit, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz Migration als „Problem“ in deutschen Städten bezeichnet hatte. Kritiker werfen vor, die Daten würden wiederholt instrumentalisiert, um antimigrantische Stimmungen zu schüren – obwohl es keine Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Fälle und nichtdeutschen Tätern gibt.
Die Debatte um die Grafik zeigt, wie Kriminalstatistiken verzerrt dargestellt werden können. Zwar belegen die Daten, dass der Anteil männlicher Tatverdächtiger höher ist als der weiblicher und dass es einen Sprung bei Delikten im Zusammenhang mit Missbrauchsabbildungen gab – ein klarer Bezug zu Migration lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Die Diskussion fällt in eine Zeit, in der Behörden die Notwendigkeit einer präzisen Interpretation von Kriminalitätstrends betonen.

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