Dorothee Bär bleibt an der Spitze von SelbstAktiv – Kampf um Inklusion in NRW
Dorothee Bär bleibt an der Spitze von SelbstAktiv – Kampf um Inklusion in NRW
SelbstAktiv: Dorothee Bär wieder zur Vorsitzenden gewählt – Fokus auf Inklusion und Sozialkämpfe in Nordrhein-Westfalen
Die Solinger Behindertenrechtsorganisation SelbstAktiv hat Dorothee Bär für eine weitere Amtszeit als Vorsitzende bestätigt. Zu ihren Stellvertretern wurden Oliver Backhaus und Yesim Özem gewählt. Ihre Führung fällt in eine Zeit wachsender Debatten über Inklusionspolitik und Kürzungspläne in Nordrhein-Westfalen.
Auf einer kürzlichen Veranstaltung kritisierten Rednerinnen und Redner Lücken in der Behindertenhilfe und forderten eine stärkere Vertretung der Betroffenen bei Haushaltsentscheidungen.
Dorothee Bär setzt sich seit langem für soziale Teilhabe in Solingen ein. Mit über 30 Jahren Erfahrung im Stadtrat wirkt sie mittlerweile auch auf Landesebene mit. Zudem leitet sie Autismus Rhein-Wupper sowie den Paritätischen Wohlfahrtsverband Solingen. Bei der Versammlung wies sie auf strukturelle Probleme in der Behindertenhilfe hin, darunter chronische Unterfinanzierung und unklare Zuständigkeitsverteilungen zwischen kommunalen, regionalen und Landesbehörden.
Der Gastredner Josef Neumann bilanzierte die Fortschritte Nordrhein-Westfalens bei der Inklusion seit 2016. Er verwies auf erweiterte rechtliche Rahmenbedingungen und Fördermittel für inklusive Bildung und Beschäftigung. Gleichzeitig betonte er die anhaltenden Spannungen zwischen Befürwortern einer vollständigen Inklusion und Vertretern spezialisierter Einrichtungen. Neumann bezog sich dabei auf eine aktuelle Kampagne der Lebenshilfe NRW gegen geplante Kürzungen bei Integrationshelfern – ein Vorhaben, das von Behindertenverbänden scharf kritisiert wird.
Der neu gewählte stellvertretende Vorsitzende Oliver Backhaus unterstrich die Notwendigkeit, dass SelbstAktiv sich gegen mögliche Leistungskürzungen stemmen müsse. Der Medienwirtschaftler, der seit einem Unfall 1985 auf einen Rollstuhl angewiesen ist, leitet zudem den Verein Barrierefreier Zugang. Er argumentierte, die Organisation müsse die Interessen der direkt von politischen Entscheidungen Betroffenen selbstbewusst vertreten.
Die zweite Stellvertreterin, Yesim Özem, arbeitet in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und ist dort Betriebsratsmitglied. Zudem vertritt sie die SPD im Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt Solingen. Auf der Veranstaltung schlug sie vor, Inklusion im kulturellen Leben der Stadt sichtbarer zu machen – etwa durch einen inklusiven Karneval, um Teilhabe zu fördern.
Die Diskussion fand vor dem Hintergrund einer gespaltenen öffentlichen Meinung statt. Während Lehrergewerkschaften vor Ressourcenmangel warnen, fordern studentische Initiativen und Behindertenverbände konsequent eine vollständige Inklusion. Zwar haben jüngste Gesetzesänderungen die institutionelle Unterstützung gestärkt, doch warnen Aktivisten, dass unsichere Finanzierung die erreichten Fortschritte gefährden könnte.
Die neue Führung von SelbstAktiv will sich vor allem für den Erhalt von Behindertenleistungen und eine bessere Inklusion in Solingen einsetzen. Die Organisation plant, gegen Kürzungen vorzugehen und gleichzeitig die Sichtbarkeit im lokalen Kulturleben zu erhöhen. Unterdessen bleiben die Debatten über Ressourcenverteilung und die Zukunft spezialisierter Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen ungelöst.
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